Chemo-Life – Wie läuft so eine Chemotherapie eigentlich ab?

chemo

Nun habe ich meine zweite Runde Chemo hinter mir und dachte, ich erzähle euch mal, wie das eigentlich so abläuft.

Ich mache eine neo-adjuvante Chemotherapie, d.h. ich bekomme die Chemo vor der Operation. Das macht man z.B. wenn der Tumor/die Tumore zu groß sind, um brusterhaltend zu operieren – durch die Chemo schrumpfen die Biester nämlich. Außerdem kann man so zwischendurch per Ultraschall nachschauen, ob die Therapie auch anschlägt.

Zunächst mal bekomme ich vier Runden EC im 3-Wochen-Rhythmus: EC ist eine Abkürzung und steht für die beiden Medikamente, die ich als Infusionen verabreicht bekomme (Epirubicin + Cyclophosphamid). Danach werde ich für 12 Wochen ein anderes Medikament wöchentlich bekommen.

 

Tja, und wie genau läuft so eine Chemo nun ab?

Es gibt stationäre und ambulante Chemos; ich mache meine Therapie ambulant. Das heißt, ich muss immer am Tag der Chemo (bei mir im Moment alle 3 Wochen dienstags) in die Klinik, wo ich mich dann im Chemoraum einfinde.
Das ist ein Raum, mit mehreren, einigermaßen bequemen Sesseln und vielen Infusionständern.

Dort bekomme ich dann zusammen mit einigen anderen Frauen (meist so 4-6 andere) meine Infusionen über den Port, der mir vor ein paar Wochen in einer Mini-OP gelegt wurde: Erst NaCl (Kochsalz, also einfach Flüssigkeit), zwei Kurzinfusionen mit Begleitmedikation (Cortison und ein Mittel gegen Übelkeit) und dann die Chemo-Medikamente. Das Ganze dauert etwa 3 Stunden, dann kann ich wieder nach Hause gehen.

Die Zeit im Chemoraum vergeht eigentlich recht schnell. Ich habe immer etwas zum Lesen dabei (entweder Zeitschriften oder meinen Kindle), man unterhält sich zwischendurch mit den anderen Patientinnen oder der Chemo-Schwester, die die ganze Zeit anwesend ist und wenn es zeitlich passt, kann ich dort auch noch zu Mittag essen (und ich muss sagen, das Krankenhaus-Essen ist gar nicht mal übel – für Krankenhaus-Essen).

 

Die Nebenwirkungen

Da die Chemo-Medikamente nicht nur die Krebszellen angreifen, sondern alle sich schnell teilenden Zellen im Körper, hat man oftmals mit einigen unerwünschten Nebenwirkungen zu kämpfen.

Heutzutage gibt es zum Glück sehr gute Begleitmedikamente, vor allem gegen die Übelkeit – man hängt also im Normalfall keineswegs nur vorm Klo.

Jeder reagiert anders, deshalb kann ich euch nur von meiner persönlichen Erfahrung berichten. Und ich muss sagen, ich hatte mir die Nebenwirkungen schlimmer vorgestellt!
Wenn man mal googelt (was man nie machen sollte!) liest man größtenteils Horrorgeschichten.

Weil ich schwanger bin kann ich bestimmte Medikamente nicht nehmen – darunter ein sehr wirksames Medikament gegen die Übelkeit. Zusammen mit den negativen Berichten aus dem Internet habe ich mir auch deshalb große Sorgen gemacht, dass es mir ziemlich schlecht gehen würde.

Tatsächlich war es erträglich. Am Tag der Chemo selbst war ich beide Male sehr müde und groggy und mir war leicht übel.
Die gesamte Woche danach habe ich mich schlapp gefühlt, konnte aber nur sehr schlecht schlafen. Ich hatte einige der typischen Nebenwirkungen von EC: Schleimhautprobleme, komischer Geschmack im Mund, Konzentrationsstörungen – aber es war wirklich auszuhalten.

Sogar meine Haare habe ich bis jetzt noch, obwohl mir von den Ärzten gesagt wurde, dass es höchstens 10-14 Tage dauert nach der ersten Chemo-Gabe bis sie anfangen auszufallen. Nun ist die erste Runde 22 Tage her und ich hatte schon die Zweite – und immer noch alle Haare. Mal sehen, wie lange das noch anhält!

 

Die Schwangerschaft

Dem Krümmelchen geht es weiterhin gut und es entwickelt sich prima – bei der letzten Untersuchung hatten wir schon 2300 g. Morgen habe ich einen Termin zur Geburtsplanung, weil nach der dritten Chemo-Runde die Geburt eingeleitet werden soll (sofern bis dahin alles gut läuft).

Das hat den Hintergrund, dass das Baby natürlich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen so wenig wie möglich von den Medikamenten abbekommen soll. Außerdem kann man so wenigstens ein bisschen den Zeitpunkt der Geburt eingrenzen, weil ich beispielsweise direkt nach der Chemo körperlich gar nicht dazu in der Lage wäre.

Ich bin gespannt wie es morgen aussieht und hoffe sehr, dass das Krümmelchen noch ein wenig im Bauchhotel bleiben darf.

Drückt mir die Daumen!

12 thoughts on “Chemo-Life – Wie läuft so eine Chemotherapie eigentlich ab?”

  1. Alles erdenklich gute für euch. Deine chemobeschreibung habe ich auch genau so erlebt. Ich habe einen krebspatienten zu jeder chemo begleitet. Sich er hatte Glück mit Haaren und Übelkeit 🙂

  2. Obwohl ich nicht weiß, was ich genau sagen soll, möchte ich doch einen Kommentar da lassen. Ich wünsche Dir für diesen schwierigen Weg viel Kraft und hoffe, dass sich die Nebenwirkungen weiter im Rahmen halten und es Deinem Krümmelchen weiter gut geht.
    Liebe Grüße
    Julia

  3. Ich drücke dir und deinem Zwerg so sehr die Daumen! Ich kann mir gar nicht vorstellen wie ich mich fühlen würde und du hältst so tapfer durch! Ich kenn dich zwar nur übers Internet, aber du bist eine ganz außergewöhnliche und bewundernswerte Person!
    Alles, alles Liebe,
    Jules

  4. Ich drücke dir und dem Krümel fest die Daumen und hoffe, dass du die Chemo weiterhin so gut verträgst und die Geburt noch ein bißchen warten kann.
    Danke für deinen Bericht, das fand ich sehr interessant, man stellt sich das irgendwie immer viel schlimmer vor…
    Viele liebe Grüße
    Rike

  5. Danke für diesen, doch sehr persönlichen Einblick. Ich glaube nicht jeder würde damit so locker umgehen. Bleib weiter so tapfer und stark! Alles gute für Dich und Dein Krümelchen!
    Liebste Grüße, Sandy

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