Erziehen ohne Auszurasten

Sheila McCraith ist Mutter von vier Söhnen und hatte lange Zeit ein großes Problem: Sie schrie ihre Kinder an. Oft und laut.
Das wollte sie ändern und so begann sie die Orange-Rhino-Challenge: Sie wollte ein Jahr lang nicht mehr rumschreien.

Von dieser Challenge handelt das Buch Erziehen ohne auszurasten. Sheila McCraith beschreibt darin ihren eigenen Weg aus der Brüllfalle und erklärt, wie sie es tatsächlich nach einigen gescheiterten Versuchen 520 Tage lang geschafft hat, ihre Kinder nicht anzuschreien.

Aber von vorne – wieso eigentlich Orange Rhino? Rhino ist das englische Wort für Nashorn und über ein eben solches stolperte die Autorin bei ihrer Suche nach einem geeigneten Symbol für ihre Challenge. Nashörner (die bekannterweise grau sind) sind eigentlich ziemlich friedfertige Wesen, können aber durchaus aggressiv werden, wenn man sie ärgert. Sheila beschloss also, kein graues Nashorn mehr zu sein – sondern ein orangenes!
Die Farbe Orange steht bei ihr für Liebe und Wärme – das Orange Rhino bleibt also friedlich, selbst wenn es geärgert wird (was Kinder ja ziemlich gut können, wie wir alles wissen…).

Jede Challenge hat natürlich Regeln. Bei der Orange Rhino Challenge geht es darum nicht auszurasten und nicht rumzuschreien – aber was genau zählt als ausrasten? Auch dazu hat die Autorin sich Gedanken gemacht: Im Buch findet man ein Brüllometer. Es besteht aus 7 Stufen (der Lautstärke), ab Stufe 5 muss man wieder von vorne anfangen.

Das Buch ist quasi eine 30-Tage-Challenge, aufgeteilt in 30 Kapitel. Für jeden Tag gibt es ein Kapitel mit verschiedenen Infos: Die Orange-Rhino-Erkenntnis, Maßnahmen des Tages und Tages-Tipps. Die Tipps sind für 3 Stufen der Wut gedacht: Cool (wenn noch alles gut ist), warm (wenn man merkt, dass man langsam wütend wird) und heiß (wenn man kurz davor ist, rumzuschreien).

Es gibt viele Geschichten aus dem Leben der Autorin, in denen sie beschreibt, aus welchen (manchmal unnötigen) Gründen sie ausgerastet ist und wie sie sich in der Situation besser hätte verhalten können. In jedem Kapitel finden sich außerdem zur Thematik passende Zitate.

Zwischendurch gibt es immer wieder Aufgaben, um die Gründe zu erkennen, aus denen man überhaupt wütend wird (denn selten ist das Kind der Grund – oft ist es nur der Auslöser und die Wut kommt von ganz woanders her). Sheila gibt Tipps, wie man die aufkommende Wut umlenken kann und Platz für eigene Notizen.

Beim Lesen des Buches war mein erster Gedanke: Krass! Die schreit aber viel!
Es erscheint wirklich so, als würde die Autorin ihre Kinder alle 5 Minuten anbrüllen, meist relativ grundlos bzw. bedingt durch eigenen Stress und Überforderung.

Dennoch gab es beim Lesen für mich einige Situationen in denen ich mich dann doch wiedergefunden habe. Denn ganz ehrlich, welche Mutter (oder welcher Vater) wird nie laut seinen Kindern gegenüber? Ich glaube, die wenigsten Eltern sind immer fair, leise und gelassen in der Erziehung. Ich hoffe zwar, dass die meisten Eltern weitaus weniger oft brüllen als Sheila McCraith es vor ihrer Challenge getan hat, aber hin und wieder treiben unsere kleinen, süßen Monster uns eben in den Wahnsinn und da kann es schonmal passieren, dass man lauter wird, als man eigentlich möchte.

Gerade meine große Tochter, die nun schon seit geraumer Zeit als Schaubild für die sogenannte Trotzphase dienen könnte, bringt mich manchmal an meine Grenzen. Und wenn ich dann sowieso gerade schlecht drauf bin und einen anstrengenden Tag hatte, passiert es durchaus auch mal, dass ich sie anschreie – natürlich tut mir das dann immer direkt danach leid und mir ist auch klar, dass es nicht hilft, aber es passiert eben. Wir sind alle nur Menschen.

In Sheilas Buch findet man in jedem Fall ein paar wirklich gute Tipps, um den eigenen Ärger besser zu verstehen und um die Wut auch rauszulassen, ohne dass die Kinder darunter leiden müssen.

Also, wenn ihr auch öfter mal aus der Haut fahrt und nicht immer die Ruhe selbst seid (so wie ich auch), lest dieses Buch!

 


Erziehen ohne auszurasten von Sheila McCraith
TRIAS Verlag
ISBN: 9783432101699
212 Seiten
17,99€

 

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One thought on “Erziehen ohne Auszurasten”

  1. Ich habe das Buch nicht ganz gelesen, sondern nur bei einer Freundin durchgeblättert. Aber ich war dann ziemlich enttäuscht, weil ich das Gefühl hatte, dass die Autorin nur „Erziehungskosmetik“ betreibt. Ja, sie geht schon darauf ein, dass die Kinder selten der Hauptgrund sind, weshalb sie schreit, aber im Wesentlichen konzentriert sie sich darauf, eine perfektere Mutter zu werden, statt zu klären, weshalb sie dauernd gestresst und überfordert ist. Mit ihren Anti-Schrei-Tipps erhöht sie den Druck, statt ihn zu verringern. Klar schreien (hoffentlich!) nicht alle Eltern so viel wie sie, da scheint das Schreien auch zur Gewohnheit geworden zu sein. Aber gerade deshalb hatte ich beim Durchblättern und Querlesen nicht das Gefühl, dass mir ihre Tipps im Alltag wirklich viel bringen. Habe ich da nennenswerte Teile des Buches einfach überblättert?

    LG, Julia

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